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Philosophische und didaktische Tagungen mit der Arbeitstelle für Praktische Philosophie und dem Philosophischen Seminar der Universität Münster

Im September 2008 begründeten PPA und GSP gemeinsam mit dem Philosophischen Seminar der Universität Münster und der Arbeitsstelle für Praktische Philosophie an der Universität Münster eine Tagungsreihe zur Philosophiedidaktik. Die erste Tagung 2008 war dem Thema "Sokratik und Urteilskraft in Pädagogischer Praxis" gewidmet.
Muenster

Es sollte dabei vor allem der Aspekt der Bildung von Reflexionsfähigkeit und moralischer Handlungsfähigkeit behandelt werden, der in den gegenwärtigen Reformvorhaben im Bildungswesen droht in den Hintergrund zu geraten.

Prof. Oliver Scholz (Münster) beleuchtete in seinem Beitrag die Reflexions- und Argumentationsstrategien des antiken Sokrates und deren aufklärerische Funktionen. Dieter Birnbacher (Düsseldorf) untersuchte, in welcher Hinsicht die Vernunft für moralische Urteile und moralisches Handeln wesentlich ist. Er stellte Moralkonzepte, die Rationalitätskomponenten beinhalten, und solche, die diese nicht aufweisen, dar. Außerdem machte er deutlich, dass Vernunft allein zur Motivation für moralisches Handeln nicht ausreiche, hinzukommen müssten affektive und soziale Faktoren. Modellierung des Verhaltens und Erziehung in bestimmten Entwicklungsphasen spielten seines Erachtens eine wesentliche Rolle für moralische Urteilsfähigkeit und moralisches Handeln. Dies gibt Hoffnung für Eltern, Erzieher und Pädagogen und zeigt die Bedeutung des Faches Praktische Philosophie im Bildungskanon.

Der Erziehungswissenschaftler Dr. Stefan Weyers (Frankfurt) stützte seine Ausführungen über Rechts- und Moralvorstellungen von Kindern und Jugendlichen auf zwei empirische Studien und führte aus, ab welcher Entwicklungsstufe Kinder zwischen Rechtsnormen und Moral unterscheiden können. Er erörterte kritisch die sechs Stufen der moralischen Entwicklung von Kohlberg und zeigte anhand der empirischen Ergebnisse konkrete Faktoren auf, die die Entwicklung des Bewusstseins und des Verständnisses von Moral und von Rechtsnormen bei Kindern und Jugendlichen beeinflussen.

In den Workshops am Nachmittag wurden konkrete Möglichkeiten und Chancen erörtert, durch dialogisches und sokratisches Philosophieren die Entwicklung von Reflexionsfähigkeit und die Motivation zum moralischen Handeln positiv zu beeinflussen.

Im Oktober 2009 veranstalteten PPA und GSP gemeinsam mit dem Philosophischen Seminar der Universität Münster und der Arbeitsstelle für Praktische Philosophie an der Universität Münster eine weiter philosophiedidaktische Tagung zum Thema "Emotion und Kognition". Es sollten grundsätzlich der Aspekt der Verschränkung von kognitiven und emotionalen Prozessen beim Denken und Handeln geklärt und die Konsequenzen dieser Verschränkungen für Bildungs- und Erziehungsprozesse thematisiert werden.

Prof. Dr. Eva Maria Engelen erläuterte in ihrem Beitrag "Was leisten Emotionen und Gefühle für das Denken?" den Zusammenhang von Denken und Fühlen beim empirischen Subjekt. Sie führte aus, dass Emotionen beim Nachdenken und Handeln immer beteiligt sind. Sie sind oft unbewusst, schneller als Denkprozesse und stellen einen enormen evolutionären Vorteil gegenüber den kognitiven Prozessen dar, da sie Aufmerksamkeit und Handlungsentscheidungen in kürzester Zeit steuern. Frau Engelen ging auf die Forschungsergebnisse der letzten zwanzig Jahre zur Rolle und zur Bedeutung der Emotionen ein und betonte, dass die Welt für uns erst Bedeutung aufgrund der Gefühle erhält. Jede subjektive Bedeutsamkeit von Dingen, Menschen und Vorgängen in dieser Welt entsteht durch Gefühle. Empirische Untersuchungen haben gezeigt, dass auch die Differenzierungsleistungen wesentlich auf Gefühlen basieren. Fehlende oder gestörte Gefühle führen zum Abnehmen von bewusster Wahrnehmung und Differenzierungsfähigkeit und zur Zunahme von Langeweile und Gleichgültigkeit. Die Vermeidung von Langeweile brauchen Menschen jedoch, um ein Selbstkonzept aufrecht erhalten zu können; das empirische Subjekt braucht Wertzuschreibungen, Sinnzuschreibungen, Ziele, Pläne und Vertrauen in sich selbst. Die praktische Rationalität des empirischen Subjekts setzt folglich eine funktionierende Emotionalität voraus. Die theoretische Rationalität, die die lange Tradition der kritischen Philosophie im 19. und 20. Jahrhundert weitgehend beherrscht hat, ist als unhintergehbare Voraussetzung auf diese praktische Rationalität und damit auf die Emotionalität des Menschen angewiesen.

Prof. Dr. Achim Stefan ging in seinem Beitrag zum Thema "Affektiv-kognitive Verschränkungen" auf die Wechselwirkung von affektiver und kognitiver Intentionalität ein. Emotionale und kognitive Prozesse sind zwei Pole des Weltbezugs und des Selbstbezugs beim Menschen, die immer miteinander verschränkt sind. Die Philosophie des Geistes hat seines Erachtens die Komplexität menschlichen Denkens noch gar nicht vollständig erfasst. Empirischen Untersuchungen zufolge sorgen die Emotionen für eine schnelle Einschätzung von Situationen, sie bewerten stetig und meist unbewusst alle Situationen nach vier Kategorien: Relevanz, Implikation, Coping-Potenziale, normative Bedeutung. Für Erziehung und Bildung muss es ein Ziel sein, Emotionen zu kultivieren, denn Emotionen haben nicht nur positive, sondern auch negative Seiten für das Handeln. Sie können Wahrnehmung und Erkennen verzerren, zu Fehlurteilen und nachhaltigen Vorurteilen führen und eine adäquate Realitätswahrnehmung verhindern. Eine weitgehende Kontrolle von Emotionen, wie sie in der rationalistischen Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts gefordert wurde, hält Achim Stefan für nicht sinnvoll, stattdessen sollte der Umgang mit den eigenen Emotionen in der Erziehung und personalen Bildung so moduliert und erlernt werden, dass sie einen sozial friedvollen und positiven Bezug zu sich selbst und zu anderen Menschen ermöglichen.

Am Nachmittag konnten sich die Teilnehmer in einem Workshop von Dr. Klaus Blesenkemper über didaktischen Möglichkeiten informieren, das Thema Gefühle im Philosophieunterricht zu behandeln. Ein zweiter Workshop, von Dr. Ute Siebert und Klaus Draken geleitet, befasste sich in kurzen Sokratischen Gesprächen mit der Rolle der Gefühle bei der Wahrheitsfindung.

Die Tagungsreihe wird fortgesetzt und die aktuellen Themen und Termine werden jährlich auf dieser Homepage angekündigt.

Aktuell
Sokratische Gespräche 2017 /
Socratic Dialogues 2017
Deutsch:
GSP-Programm 2017 (pdf)
Anmeldung Sokratische Gespraeche 2017 (doc)
Anmeldung Sokratische Gespraeche 2017 (pdf)
English:
GSP-Programme 2017 (pdf)
Enrolment Socratic Dialogues 2017 (doc)
Enrolment Socratic Dialogues 2017 (pdf)
Rückschau
Kompetenzorientierung und (Un-)Mündigkeit
Ein Streitgespräch
9. Münstersche philosophiedidaktische Tagung
Sa, 26. November 2016
Einladung und Programm
Sokratische Gespräche 2016 /
Socratic Dialogues 2016
Deutsch:
GSP-Programm 2016 (pdf)
Anmeldung Sokratische Gespraeche 2016 (doc)
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English:
GSP-Programme 2016 (pdf)
Enrolment Socratic Dialogues 2016-E (doc)
Enrolment Socratic Dialogues 2016 (pdf)
Bedingungsloses Grundeinkommen
Dortmunder politisch-philosophische Diskurse
(10. Juni 2016)
Einladung und Programm

Zuletzt erschienen:
Sokratik und Urteilskraft in pädagogischer Praxis, hg. v. B. Neisser, Münster 2013
zum Verlag
Kinder philosophieren, hg. v. B. Neisser, U. Vorholt, Münster 2012
zum Verlag
Leonard Nelson: Typische Denkfehler in der Philosophie, hg. v. A. Brandt u. J. Schroth, Hamburg 2011
zum Verlag
The Challenge of Dialogue, hg. v. j. P. Brune, H. Gronke, D. Krohn, Münster 2011
zum Verlag
Klaus Draken: Sokrates als moderner Lehrer, Münster 2011
zum Verlag

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